Neuer Chef, neue Chefin - was nun?

Aktualisiert: 16. Juli

Was tun, wenn Ihnen ein/e neue/r Vorgesetzte/r vor die Nase gesetzt wird, obwohl Sie diesen Job wollten?


Ein Fallbeispiel aus der Praxis:


Sie selbst sind eine Führungskraft. Nun ist die Stelle Ihres eigenen Vorgesetzten vakant geworden. Sie haben sich für diese Position beworben. Aber ein externer Kandidat hat das Rennen gemacht. Wie gehen Sie nun mit dieser Situation um? Es gefällt Ihnen im Unternehmen, Sie geniessen einen guten Ruf und wollen weiterhin für die Firma tätig sein.



In der Praxis habe ich mehrmals beobachtet, dass das Ego der übergangenen Führungskraft gelitten hat und deshalb dem neuen Chef oder der neuen Chefin Steine in den Weg gelegt werden. Der neue Vorgesetzte wird nicht akzeptiert. Es werden ihm/ihr z.B. Informationen vorenthalten. Bei Sitzungen wird der neue Chef auf eine mehr oder wenig subtile Weise blossgestellt, wenn er oder sie inhaltlich noch nicht den eigenen Wissensstand hat. Bei den eigenen Führungskollegen wird der neue Chef schlecht geredet.

Der/die neue Vorgesetzte wird sich dies ein paar Wochen bis ein paar Monate gefallen lassen. Doch, sobald er/sie sich eingelebt hat, wird er/sie auf Ihr Verhalten reagieren. Im besten Falle werden Sie zur Rede gestellt und man gewährt Ihnen eine Frist für eine Verhaltensänderung. Wenn Sie nicht so viel Glück haben, werden Sie in eine andere Abteilung versetzt, wegbefördert oder sonst wie «hinauskatapultiert». Ich habe bisher noch nicht erlebt, dass bei diesem Machtkampf die «bisherige Nr. 2» gewonnen hat, ausser vielleicht im Kino. Also, was tun, wenn Ihnen ungewollt ein neuer Chef, eine neue Chefin vor die Nase gesetzt wird?

Tipp Nr. 1 - Akzeptieren Sie den neuen Chef, die neue Chefin und geben Sie ihm/ihr eine Chance


Es ist kein Weltuntergang einmal übergangen worden zu sein. Es gibt immer wieder neue Gelegenheiten. In der Zwischenzeit nehmen Sie die Haltung ein: «Ich kann mit jedem Chef, resp. jeder Chefin, arbeiten» und «Wir werden ein Dream-Team». Mit dieser lösungsorientierten Einstellung sehen Sie die Zusammenarbeit mit Ihrem neuen Chef, resp. der neuen Chefin, als Herausforderung und nicht als Problem an.


Tipp Nr. 2 - Wie tickt der neue Chef, die neue Chefin?


Beobachten Sie Ihren Chef. Was ist ihm/ihr wichtig? Welchen Führungsstil praktiziert er/sie? In der Regel kommunizieren die neuen Chefs Ihre Erwartungen sehr klar und was ihnen wichtig ist. Falls nicht, fragen Sie danach. Dann richtigen Sie sich auf den neuen Führungsstil ein. Gewinnen Sie das Vertrauen Ihres neuen Chefs.

Wenn z.B. Ihr Chef gerne die Kontrolle hat, so informieren Sie ihn regelmässig und vertieft über den Stand der Dinge. Hier lieber einmal zu viel informieren als zu wenig.

Wenn aber z.B. der neue Vorgesetzte ungeduldig ist und nicht mit Details belangt werden will, so bringen Sie die Dinge auf den Punkt. Fassen Sie sich kurz. Also kurze Problemschilderung, Ihre Lösungsvorschläge und wo Sie vom Chef, resp. von der Chefin, einen Entscheid benötigen.


Tipp Nr. 3 - Halten Sie die Hierarchie ein


Wenn ein Sachverhalt auf höherer Ebene entschieden werden soll, so informieren Sie Ihre/n Vorgesetzte/n und sprechen Sie sich ab, wer die nächsthöhere Stelle kontaktiert. Neue Chefs sind äusserst allergisch, wenn Sie übergangen werden. Tipp Nr. 4 - Was kann ich vom neuen Chef, der neuen Chefin lernen?

Aus irgendeinem Grund ist Ihr/e neuer Vorgesetzte/r die Nr. 1 und Sie sind die Nr. 2. Also, Ihr Chef hat ein paar Talente mehr, die bei der Wahl den Ausschlag gegeben haben. Was kann Ihr/e Chef/in besonders gut und was können Sie von ihm/ihr lernen? Ich hatte z.B. einmal eine Vorgesetzte, die über ein äusserst diplomatisches Geschick verfügte und die politischen Verflechtungen im Unternehmen sehr gut verstand. Dieses diplomatische Geschick war für die Arbeit des ganzen Teams oft von grossem Nutzen. Ich habe viel von dieser Chefin gelernt für meine eigene berufliche Karriere. Tipp Nr. 5 - Machen Sie Ihre/n Vorgesetzte/n erfolgreich und Sie werden selbst erfolgreich sein

Gibt es etwas, dass Sie für Ihren Vorgesetzten tun können, damit dieser seine/ihre Arbeit erfolgreicher erledigen kann? Wenn ja, dann tun Sie es. In der Regel schätzen dies die Chefs und unterstützen Sie dann ebenfalls, wenn Sie einmal Hilfe benötigen. Einer meiner Chefs hatte z.B. Schwierigkeiten vor grossem Publikum zu sprechen. Da dies einer meiner Talente ist, habe ich ihm jeweils geholfen seine Reden zu schreiben und ihn gecoacht bei grossen Veranstaltungen, obwohl dies gar nicht meine Aufgabe war. Als ich dann in meinen Projekten mehr Geld oder Ressourcen benötigte, konnte ich meinen Chef zu den höheren Instanzen schicken, um für mich und meine Projekte zu intervenieren. So haben wir uns gegenseitig erfolgreich gemacht. Sehen Sie den neuen Chef oder die neue Chefin als Gelegenheit an, sich in der Kunst des «Wie manage ich meinen Chef» zu üben. Mit den obigen 5 Tipps steht einer konstruktiven Zusammenarbeit nichts mehr im Wege.



Quelle Foto: Dan Schiumarini, Unsplash/Wix


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